Island 2022

Prolog

Tag 1 – Mosfellskirkja – Helgufoss – Westfjorde – Þingmannaá
Tag 2 – Garðar BA 64 – Dynjandi – Sandafell Mountain – Bolungarvík
Tag 3 – Ísafjörður – Vatnsnes – Hvítserkur – Svínavatn
Tag 4 – F35 – Hveravellir – Kerlingarfjöll – Gýgjarfoss
Tag 5 – Bláhylur – Landmannalauga – Frostastaðavatn – Kýlingavatnsee – Ófærufoss – Hólaskjól Highland Center
Tag 6 – Langisjór – Arnardrangur – Yoda Cave – Vík – Reynisfjara
Tag 7 – Maelifell – Hólmsárfoss
Tag 8 – Sólheimajökull – Árjánurfoss – Gluggafoss – Dyrhólaey
Tag 9 – Sauðafoss – Þórsmörk
Tag 10 – Ægissíðufoss – Strandakirkja – Gunnuhver – Abreise​

Prolog

Das vierte Mal (fast) in Folge, doch diesmal wieder komplett anders.

Seit unserer ersten Reise 2017 pflege ich einen lockeren Kontakt mit Andreas Hohmann, der die Webseite reisewut.com und die Reisen in Island Community in Facebook gegründet hat.
Der aufmerksame Leser meiner früheren Reiseberichte weiß, dass ich alle meine Anregungen und Informationen von diesen beiden Seiten beziehe, mehr braucht es nicht.

Eines Morgens – wir hatten unsere Reise 2021 bereits fertig gebucht – tauschen wir uns via Messenger über die horrenden Preise der Mietwägen aus und Andreas erwähnt, dass es ihn schon sehr reizen würde, wieder rüber zu fliegen, wenn nicht alles so teuer geworden wäre.
Ich drehe mich zu Karsten um und frage: „Nehmen wir ihn mit?“
Der nickt wohlwollend und ich mache Andreas das „unmoralische“ Angebot, uns zu begleiten.
Denn eigentlich kennen wir uns ja gar nicht und ich weiß in dem Moment auch nicht, wie er reagieren wird.

Andreas überlegt auch wirklich zwei Tage, doch er kann nicht alle drei Wochen mit uns fahren und dementsprechend würde es unseren Urlaub etwas einschränken. Doch er schlägt vor, dass wir im darauffolgenden Jahr gemeinsam nach Island reisen und das freut mich sehr, denn mein Bauchgefühl sagt mir, dass wir gut zusammenpassen.
Der Vierte im Bunde ist Burckhard, mit dem Andreas schon öfter in Island unterwegs war.
Durch verschiedene Faktoren gehen sich nur 10 Tage aus, die wir in den Westfjorden, im Hochland und um Süden verbringen werden.

Sobald die Rahmenbedingungen geklärt waren buchten wir eines Abends im November gemeinsam unsere Flüge bei Eurowings, wir wollen uns am Flughafen Düsseldorf das erste Mal treffen und zusammen nach Keflavík fliegen. So der Plan…

Mitte Februar bekomme ich ein Mail von Eurowings, dass unser Flug nicht wie geplant stattfinden kann. Die Flugzeit hat sich um ein paar  Minuten verschoben. Erst auf den zweiten Blick sehe ich, dass die uns einfach auf den nächsten Tag umgebucht haben. Ja geht’s noch? Die spinnen wohl!

Nach einem Telefonat wurde mir dann geraten, beide Flüge zu stornieren (es betraf nur den Flug VIE – DUS) und neu zu buchen. Leider können sie uns nicht gratis auf die Austrian umbuchen, obwohl sie alle zusammengehören. Das wäre nur gegangen, wenn ich den Flug bei mir im Büro gebucht hätte. Immerhin kostet der Flug mit der Austrian nur um knapp 80 Euro mehr.

Ende März hat dann meine neue Lieblingsairline auch noch einen Teil des Rückfluges storniert, da wurde uns gar keine Alternative mehr angeboten sondern nur ein Gutschein. Nach einem gesalzenen Mail haben wir wenigstens auch hier den vollen Betrag wieder erhalten und mit Ach und Krach noch einen Direktflug mit der Austrian buchen können. Die Preisdifferenz beträgt allerdings 671 Euro, in Summe kosten uns die Flüge nun zusammen 1574,67 Euro statt ursprünglich 820 Euro.
Aber in Zeiten wie diesen muss man wohl froh sein, wenn man überhaupt mitkommt!

Nun bin ich aber schon sehr auf unsere beiden Reisebegleiter gespannt – es ist doch ein Abenteuer, wenn man mit quasi Unbekannten unterwegs ist.
Obwohl – Andreas hat von Jón das Prädikat „der ist in Ordnung“ bekommen – da braucht es nicht mehr!

Beim Web Check In wurden uns die Sitzplätze des Eurowingsfluges DUS – KEF  automatisch zugeteilt, keine Möglichkeit zur Änderung. Jetzt sitzen wir in der 21. Reihe und die beiden Deutschen in der 11. Reihe.

Auf der Eurowingsseite schicken sie mich zur Austrian und bei der Austrian bekomme ich die Auskunft, dass sie gar nicht eingreifen können. Ich hab eh nur eine Stunde in der Warteschleife gewartet.

Am Flughafen in Wien wird alles automatisch abgefertigt: den Koffer-Tag gibt es am Automaten, danach geht es weiter zum Check-In Schalter. Doch auch dort ist Self Service angesagt. Der Koffer wird auf das Förderband gehievt und gewogen. Zum Glück haben wir zu Hause schon das Gewicht kontrolliert. Dann scannen wir den Barcode und ab geht die wilde Fahrt!

Doch dann kommen wir am einzigen menschlichen Kontrollpunkt vorbei, an dem mein Trolley gemessen und gewogen wird. Alles gut und mit ein paar Fragen nach dem Eurowingsschalter versuche ich die Aufmerksamkeit von Karsten abzulenken, der auf seinem Buckel gute 13 Kilo trägt. Doch offensichtlich interessieren Rucksäcke gar nicht und schon sind wir vorbei.
In Düsseldorf treffen wir beim Gate nach Keflavik auf Burckhard und Andreas, der mich zur Begrüßung gleich umarmt. Ich freu mich auch total, dass wir es geschafft haben!
Wir verstehen uns gleich prächtig, ich muss nur aufpassen, dass ich auch mal die Anderen zu Wort kommen lasse.
Burckhard ist der Älteste, doch laut Andreas „fitter als wir beide zusammen“. Das kann ich nach dem ersten Eindruck nur unterschreiben.
Er war früher Fluglotse, ein sehr verantwortungsvoller Beruf. Und er hat meine Reiseberichte gelesen, ein sehr sympathischer Zeitgenosse!

Im Flugzeug sitzen wir 11 Reihen auseinander, bei der Eurowings konnte man beim Check In die Sitzplätze nicht auswählen. Ein weiterer Minuspunkt auf meiner Liste.
Zudem sind die Sitzplätze auch noch sehr unbequem, die drei Stunden bis nach Keflavik ziehen sich in die Länge.

Die Übernahme der beiden Mietwägen geht recht flott, wir haben zu Hause online eingecheckt.
Unser RAV4 dürfte relativ neu sein, kein einziger Steinschlag auf den Fenstern. Andreas hat mit seinem RAV4 weniger Glück, der hat schon einiges abbekommen.

Wir finden beim Hotel den letzten freien Parkplatz, Andreas stellt sich in die Kurzparkzone und hat dann Probleme, den Wagen wieder zu starten. Noch sind wir ja in der Nähe des Flughafens….

Um 2 Uhr morgens fallen wir dann in die Betten, Frühstück ist für 7 Uhr angesagt.

Der RAV4 ist für uns wieder die beste Wahl.
Tag 1 - Freitag, 15.7.22 - Mosfellskirkja - Helgufoss - Westfjorde - Þingmannaá

Wie üblich wache ich eine halbe Stunde vor der eingestellten Weckzeit auf und mache meine Rückenübungen im Bett. Ich habe gelesen, wenn man neue Abläufe 66 Tage lang macht, werden sie am 67. Tag zur Gewohnheit. Also beiße ich noch eine Weile durch.


Im Bistro des Hotels gibt es ein feines Buffet, wir sind ja alle ein wenig ausgehungert vom Anreisetag. Generell ist das Konvin Hotel zu empfehlen, ich glaube aber, dass es seit der Umbenennung (hieß vorher BB Hotel Keflavík Airport) etwas teurer geworden ist. Die Zimmer und das Badezimmer sind sehr geräumig, leider haben wir es quasi als Stundenhotel genutzt.


Der Wagen von Andreas und Burckhard macht keine Mätzchen und wir sind um halb neun schon unterwegs zu neuen Abenteuern.

Der Himmel zeigt sich heute bedeckt, hie und da trauen sich ein paar Tropfen zu uns herunter. Mit der Zeit lichtet sich der Himmel und läßt den blauen Himmel durchblicken.


Bei der Stadt Mosfellsbær schauen wir uns die interessante Bauweise der Mosfellskirkja an, Andreas und Karsten lassen die Drohnen darüber kreisen. Dramatische Wolken geben einen gefälligen Bildhintergrund.

Mit Burckhard habe ich mich gleich super verstanden.

Ein paar Kilometer weiter ist der Helgufoss, der jetzt nicht besonders aufregend ist, aber wenn wir schon mal in der Gegend sind…

Die zwei Ältesten, Burckhard und ich, steigen den Hügel zum Wasserfall hinunter, die jungen Herren sparen sich den Weg und machen ihre Aufnahmen von oben.

Auf den Tröllafoss müssen wir verzichten, da dorthin nur eine Privatstraße führt.

Die Mosfellskirkja, die in den 1960er Jahren von Ragnar Emilsson mit einzigartigen dreieckigen Formen entworfen wurde.
Helgufoss, ein hübscher Wasserfall unweit von Reykjavik.

In Borgarnes fallen wir beim Bónus ein, wir werden wohl des Öfteren abends kochen. So besorgen wir Mehl und Nudeln in Anstaltspackungen – offenbar kauft man in Island nur auf Vorrat ein. Ich hoffe, dass es in den diversen Küchen Öl und Salz gibt, für einen Liter Olivenöl war ich heute zu geizig. Das Gemüse und die Eier verstauen wir in unserer mitgebrachten IKEA  Kühltasche.


Zur Verständigung während der Fahrt habe ich von unserem Freund zwei Walkie Talkies ausgeliehen. Leider geht unserem Funkgerät gleich der Saft aus, ich werde die zwei Teile heute Nacht neu aufladen und hoffen.

Durch dieses Manko gestaltet sich der spontane Stopp beim Grábrók Vulkankegel etwas holprig. Ich halte am Straßenrand und Andreas düst an uns vorbei. Wir telefonieren uns zusammen und treffen uns am Parkplatz.

Diesmal bin ich froh, dass wieder nur die Drohen zu arbeiten haben, denn der Aufstieg zu den drei Vulkankegeln ist nicht ohne.

die Grábrók Vulkankegel aus der Luft

Weiter geht es in Richtung Westfjorde, diesmal fährt Andreas vorne und ich habe etwas Mühe, den Anschluss nicht zu verlieren, denn je weiter sich Andreas von Keflavík entfernt, umso schneller ist er unterwegs. Aber verfahren kann man sich eh nicht und ich habe ja das Navi mit allen POIs im Auto.


Wo es geht, bleiben wir neben der Straße stehen und genießen die tollen Blicke auf die Fjorde. Für Andreas sind es viel zu wenige Möglichkeiten, er würde am liebsten alle paar Kilometer anhalten. Ein Gutteil der Straße ist nicht asphaltiert aber gut zu fahren. Da lasse ich gerne einen größeren Abstand, es staubt ganz schön!

in den Westfjorden

Unser letzter Punkt für heute ist der Þingmannaá, ein schöner Wasserfall, der sich über mehrere Kaskaden ins Tal ergießt. Der Parkplatz ist gleich neben der Straße und von dort ist es ein kurzer Spaziergang bis zu den Fällen.

Auch hier zeichnet sich Burckhard durch Sportlichkeit aus: während wir mit Fotografieren beschäftigt sind wandert er bis zur Abbruchkante hinauf.

ein fünfminütiger Spaziergang führt vom Parkplatz zum Þingmannaá.

Jetzt ist es aber nicht mehr weit bis zu unserer heutigen Unterkunft. Wir fahren am Hellulaug vorbei, den ich später noch besuchen möchte. Beim Hotel Flókalundur biegen wir nach Süden ab und erreichen gegen 18 Uhr das Gamli Bærinn in Brjánslækur.

Einsam steht es von Weitem sichtbar neben der Kirche, hoffentlich schläft es sich gut neben einem Friedhof!


Leider hat das einfache Hotel keine Gemeinschaftsküche, was unsere beiden Mitreisenden nicht davon abhält, im Zimmer etwas Essbares zu fabrizieren. Wir fahren ins Hotel Flókalundur, wo wir vor zwei Jahren auch gewohnt haben.

Das Essen ist gut und teuer, Karsten hat einen Lachsburger und ich einen Saibling mit Gemüse.

Zum Trinken nehmen wir wieder unserer Mission auf, das Obi G’spritzt in Island zu etablieren.


Da Karsten nicht mehr zu bewegen ist, den Hot Pot Hellulaug aufzusuchen, fahren wir zurück ins Hotel. Die beiden Herren sind ausgeflogen, wahrscheinlich zum 30 km entfernten Dynjandi, denn Andreas braucht ein Modell, das zum Größenvergleich herhalten muss.


Ich schreibe noch den Reisebericht fertig, dann fallen uns langsam die Augen zu. Ein wenig später kommen auch Andreas und Burckhard von ihrem Ausflug zurück, da liegen wir aber schon in unseren Betten.

die Kirche neben unser Unterkunft Gamli Bærinn in Brjánslækur
Tag 2 - Samstag, 16.7.22 - Garðar BA 64 - Dynjandi - Sandafell Mountain - Bolungarvík
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